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Grundlagen
Das Passivhaus ist der weltweit führende Standard beim energiesparenden Bauen. Es fing mit Wohngebäuden im mittleren europäischen Bereich an und läßt sich inzwischen nahezu weltweit bei den verschiedensten Gebäudetypen umsetzen. Die Nachfrage an Passivhausinformationen und -erfahrungen wächst rasant und zeigt die starke zukunftsweisende Entwicklung in diesem Bereich.
Die folgenden Seiten geben Ihnen eine Einführung und Vermittlung der Grundlagen im Bereich des hoch energieeffizienten Gebäudestandards.
Energiewirtschaft und Ökologie
Effizienz und Wirkungsgrad sind nicht identisch
Energieeffizienz - die wichtigste Energiequelle
Der Einfluss der inneren Wärmekapazität
Warum die Effizienz so stark verbessern?
Dafür gibt es viele Gründe:
- Fossile und nukleare Energieträger kommen jeweils mit einem ganzen Bündel von Problemen: Erinnern wir uns an die letzte Ölpest? Schauen wir uns die Bilder der Braunkohletagebaugebiete an? Wer glaubt wirklich, dass man die Probleme der Kernkraft nicht vermeiden kann?
- 80% aller gegenwärtig weltweit eingesetzten Energie ist fossiler Herkunft – und das erzeugt eine rasche Zunahme der CO2 Konzentration in der Atmosphäre und im Meerwasser. Die Folgen sind höhere Mitteltemperaturen, heftigere und häufiger Extremwetterbedingungen – und ansteigende Meeresspiegel.
- Fossile Energiequellen sind endlich – und speziell die kostengünstigen davon gehen am schnellsten aus. Daraus folgen steigende Energiepreise. Schon hoch im Jahr 2004, sind diese jetzt (2011) auf einem neuen Höhepunkt. Es wird sehr teuer, wenn wir auch künftig hauptsächlich von fossilen Energieträgern abhängen.
- Im mehr Menschen in einer wachsenden Weltbevölkerung verlangen Zugang zu den Energiedienstleistungen – in einem zu den Europäischen und Amerikanischen Gewohnheiten ähnlichen Umfang. Ohne eine ganz erheblich verbesserte Effizienz trägt das noch stärker zum Druck auf die begrenzten Ressourcen bei.
- Bessere Effizienz ist zugleich mit höherem Komfort verbunden. Ineffiziente Energienutzung bedeutet immer “Energie am falschen Ort” – und das führt letztendlich in jedem Fall zu Problemen.
- Die Verbesserung der Effizienz ist erfolgreich geprüft und bewährt – Passivhäuser bieten das beste Beispiel. Es lohnt sich, Wärmedämmung an zu bringen, bessere (dreischeibenverglaste) Fenster ein zu bauen und Wärmerückgewinnung zu verwenden.
- Solche Maßnahmen erfordern nur geringfügig höhere Investitionen. Investitionen, die sich mit beachtlichen Renditen zurück zahlen. Das wirkt wie eine Energieerzeugung (die Energie, die wir nicht mehr benötigen) zu geringen Kosten (um 6 Cent die kWh). Zu so geringen Preisen gibt es in absehbarer Zukunft für den Endverbraucher keine Wärme aus Öl, Gas, Strom oder Kohle.
- Die zusätzliche Wertschöpfung erfolgt vor allem beim Handwerk, das den Neubau erreichtet oder die Sanierung durchführt – und ein wenig bei den dafür benutzen Produkten, die fast ausschließlich regional hergestellt werden. Summa Summarum 80 bis 95% regionale Beschäftigung, welche den Gemeinden helfen wird, sich aus ihrer Lage zu erholen.
Immer nur Energie? Sind nicht auch andere Nachhaltigkeitsthemen wichtig?
Diese Frage war in den letzten Jahren der wichtigste Punkt in den meisten öffentlichen Diskussionen nach Vorträgen von Passivhaus Experten. Und tatsächlich haben auch fast alle Nachhaltigkeits-Bewertungssysteme ihre Schwerpunkte an ganz anderer Stelle – Energie spielt da nur eine kleine Rolle neben Wasser, Baustoffen, sozialer Nachhaltigkeit, Kosten und Ästhetik.
Es geht hier nicht darum, zu provozieren – die Erkenntnis muss aber ausgesprochen werden: Ja, die Energiefrage ist die wichtigste und alles entscheidende Frage für die Entwicklung unserer Zivilisation in Richtung Nachhaltigkeit. Und: Nein, wenn Bestnoten in der Bewertung der Nachhaltigkeit vergeben werden für Gebäude, die bestenfalls mittelmäßige Qualität in bezug auf den restlichen nicht nachhaltigen Energieverbrauch haben – dann ist das eine Irreführung der Öffentlichkeit.
Das ist leicht zu beweisen:
- Erinnern wir uns an die substantiellen Ereignisse der vergangenen Jahre (außerhalb des Parteiengezänks und der virtuellen Machenschaften von gewieften Betrügern): Extremwetter-Ereignisse wie alles zerstörende Orkane, Todesfälle durch das Abschalten von Erdgas-Pipelines, explodierende Energiepreise, Ölpest in der Karibik, nuklearer Kernschmelzunfall,…
- Diese Ereignisse betreffen schon lange nicht mehr „nur“ die belebte Umwelt. Sie bestimmen unser tägliches Leben mit. Insbesondere für die weniger reichen Bürger dieser Welt fressen die steigenden Energiekosten immer größere Anteil des Einkommens. Und die Schäden der konventionellen Energieversorgung müssen von allen Steuerzahlern finanziert werden, sie sind nicht beim Energiepreis eingepreist – ganz abgesehen davon, dass viele Staaten auch heute noch viele Energieversorgungspfade subventionieren und so die Märkte verzerren.
- Bei der bestehenden Abhängigkeit bedeutet die Verfügung über Energie Macht und Reichtum. Dies ist ganz leicht zu erkennen – und Macht und Reichtum werden in der Folge auch noch dazu verwendet, um die demokratischen Organe zu beeinflussen.
- Dass die Energiefrage die über unsere Zukunftsoptionen entscheidende Frage ist, haben die maßgeblichen Kräfte in der Wirtschaft schon lange erkannt. Nur fordern sie (oft aus Kurzsichtigkeit, manchmal auch, weil sie es einfach nicht besser wissen) überwiegend die genau falschen Richtungsentscheidungen. Es geht nicht darum, z.B. durch militärischen Druck mehr Einfluss auf die Ölquellen im Nahen Osten zu bekommen (diese Strategie ist ganz offensichtlich nicht auf gegangen), sondern darum, unsere Abhängigkeit von den machtdurchdrungenen Strukturen der Energiengiganten zu reduzieren. Das geht vor allem dadurch, die durch Energie gewonnenen Dienstleistungen möglichst durch eigene, regionale Wertschöpfung zu erbringen – und genau das können Energieeffizienz und Erneuerbare Energieträger leisten.
- Von keinem anderen Wirtschaftsbereich ist unsere Zivilisation in so substantiellem und existentiellem Maß abhängig wie von der Energieversorgung. Hier haben die warnenden Lobbyisten durchaus recht und es wäre ein großer Fehler, dies nicht zu beachten.
- Auch „weise Denker“, die von ganz anderen Ansätzen kommen, haben diese Zusammenhänge erkannt und durchschaut: Bill Gates z.B. in seinem Monolog „Bill Gates on energy: Innovating to zero!“ Die Analyse ist (bis auf die etwas überspannte Betonung der „Null“ – denn noch 15% oder 20% sind in dem hier vorliegenden Fall als „nahe Null“ anzusehen – case closed, Problem erledigt) weitgehend richtig, die angepriesene „Lösung“ allerdings zielt in die völlig falsche Richtung – da werden neue Abhängigkeiten geschaffen, anstatt die Menschen und die Wirtschaft aus den Abhängigkeiten zu befreien.
Soll das nun heißen, dass alles andere weniger wichtig oder gar unwichtig wäre? Keinesfalls, andere Themen haben in der Realität unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert: Der behindertengerechte Zugang, die Mülltrennung, das Wohnumfeld, eine sozial gerechte Kostenaufteilung, der Schutz unserer Baudenkmäler. Tatsache ist, dass wir für die meisten dieser Themen bereits sehr weit gehende Anforderungen – oft sogar gesetzlich – fixiert haben. Und diese stehen keinesfalls in Konkurrenz zu den Maßnahmen für eine erheblich effizientere Nutzung von Energie. Letzteres aber wurde in den Jahrzehnten nach 1950 geradezu sträflich vernachlässigt – der Energieverbrauch hat sich seither verfünffacht! Das heutige Pro-Kopf-Niveau an nicht erneuerbarem Energiekonsum ist in den Industrieländern ungefähr um einen Faktor Vier zu hoch für eine weltweit nachhaltige Entwicklung. Hier muss somit wirklich etwas geschehen, und zwar in einem grundsätzlichen Ausmaß.
Die gute Botschaft ist: Das geht sogar. Die Möglichkeiten, die Energieeffizienz um mehr als einen Faktor 5 zu erhöhen, stehen uns zur Verfügung – und der Energiebedarf, der dann noch verbleibt, kann weltweit nachhaltig durch regional verfügbare Energiequellen gedeckt werden. Demonstrationsprojekte in besonders engagierten Regionen beweisen dies beispielhaft schon heute – auch, dass dies geht, ohne alle anderen wichtigen Zielsetzungen völlig zu vernachlässigen.
Gerade dies ist eine der herausragenden Eigenschaften der Energieeffizienz-Lösungen – dass sie einen vergleichsweise geringen Eingriff darstellen – sachlich wie ökonomisch. Passivhaus-Sanierungen sind bereits unter Einbeziehung der Belange der Denkmalpflege durchgeführt worden – und sie vereiteln auch das behindertengerechte Bauen nicht.
Etwas beschäftigen müssen sich die Architekten, Planer und Handwerker mit dem Thema allerdings schon. Deshalb gibt es die entsprechenden Weiterbildungsangebote. Und letztlich sind es genau diese Berufsgruppen, die von der Entwicklung sogar profitieren – ihre Kompetenz ist nämlich gefragt.
